Musiktipp
71. Musikfest ION
71. Musikfest ION

Deutschlands ältestes Festival geistlicher Musik, die Internationale Orgelwoche Nürnberg (ION), bricht auf zu neuen Ufern – mit ungewohnten Formaten und spannenden Verbindungen über herkömmliche Trennungen hinweg. Unter dem von den Beatles entlehnten Motto „All you need is …“ stellt das 71. Musikfest die Frage danach, was wir brauchen und was zählt.

An den unverwechselbaren Stärken wird aber nicht gerüttelt: Vom 24. Juni bis 3. Juli darf sich das Publikum auf herausragende Werke der geistlichen Musik und Topkünstler freuen, gerade auch an den Tasten und Pedalen der Königin der Instrumente. „Nicht verpassen“, rät die Citykirche-Redaktion, muss sich an dieser Stelle jedoch mit einer beispielhaften Auswahl begnügen. 

Schon zur Eröffnung will die ION unter Beweis stellen, dass sie eben mehr ist als ein konventionelles Festival: Angeleitet von der charismatischen Musikpädagogin Friedhilde Trüün singen am Freitagnachmittag in St. Lorenz 200 Schülerinnen und Schüler, die dabei vielleicht zum ersten Mal mit Klassik in Berührung kommen, Beethovens Ode an die Freude – und das begleitet von einem Jazztrio.

Aber nicht nur „Singbeethoven“ bringt die Freude darüber zum Ausdruck, dass nach den Pandemiebeschränkungen das befreiende und beglückende Erlebnis in gemeinsamem Singen als „Nürnberger Nachtchor“ auch als emotionaler Höhepunkt die große ION-Nacht krönen soll, die am Eröffnungstag ab 18 Uhr viele Kirchen und andere Spielstätten in der Innenstadt zum Klingen bringt. Ein breites Publikum darf sich auf ein buntes musikalisches Spektrum freuen. 

Einschließlich besonderer Bonbons: In St. Lorenz gestaltet Kantor Matthias Ank mit dem Vokalensemble St. Lorenz und dem Ensemble Kontraste eine Uraufführung: In einem Werk, das der Stuttgarter Carus-Verlag zu seinem 50-jährigen Bestehen in Auftrag gegeben hat, verbindet der argentinische Komponist Martin Palmeri klassische Kirchenmusik und betörenden Tango. Ein eigenes Projekt ist dem bedeutenden Barockmeister Heinrich Schütz zu dessen 350. Todestag gewidmet.  

In St. Sebald stellt das gefeierte Vokalensemble VOCES8 am Samstag, 25. Juni, seine Interpretation von Händels Messiah vor. Und am Dienstag, 28. Juni, folgt so etwas wie das Herzstück der ION: ein aufregender Dialog zwischen dem begnadeten Organisten Martin Sturm und dem virtuosen Hammond-Orgel-Spezialisten Hans Enzensberger, die sich mit Improvisationen gegenseitig die musikalischen Bälle zuspielen. 

In St. Egidien beschließt das Calmus-Ensemble – gegründet von dem künftigen Künstlerischen Leiter des Windsbacher Knabenchors Ludwig Böhme – einen Thementag zur Jüdischen Musikkultur in Europa. Die dazugehörenden Gespräche, Vorträge und ein Spaziergang sind nur ein Beispiel für die aktuell größte Innovation der ION: ein begleitendes Forum zur Ergänzung und Vertiefung der Konzerte – und zwar meistens mit den hochkarätigen Künstlern.  

Die komplette Programmübersicht mit vielen ergänzenden Informationen finden Sie im Internet unter musikfest-ion.de.

Text: Wolfgang Heilig-Achneck
Foto: Archiv ION