
Eine passende Wohnung zu finden ist gar nicht so einfach. Die jeweiligen Wünsche müssen mit dem Wohnungsmarkt übereinstimmen. Wie viel Miete können wir uns leisten? Innenstadt, Stadtrand oder doch lieber auf dem Land? Werden zwei Zimmer reichen? Oder doch lieber drei? Falls mal Gäste kommen oder irgendwann in der Zukunft ein Kind? Wie weit darf der Weg zum jeweiligen Arbeitsplatz sein?
So viele Fragen und Kompromisse. Abend für Abend sitzen Cornelia und Daniel am Computer und recherchieren. Einige Wohnungen haben sie sich schon angeschaut. „Ich dachte gar nicht, dass das so viel Zeit frisst,“ stöhnt Cornelia. „Für mich allein hätte ich mich längst entschieden,“ murmelt Daniel vor sich hin, „deine Maßstäbe unterscheiden sich ziemlich von meinen. Du bist ja auch was Besseres gewohnt.“ „Wie meinst du das,“ kontert Cornelia. Trotz des Gemurmels hat sie sehr gut verstanden. „Stimmt doch,“ wagt er jetzt etwas lauter zu sagen. Daraufhin Cornelia: „Aber du möchtest doch auch, dass wir uns wohlfühlen in unserer gemeinsamen Wohnung.“ „Natürlich. Tut mir Leid, dass ich das so gesagt habe. Zur Zeit habe ich einfach beruflich viel um die Ohren.“ Cornelia zeigt sich versöhnlich.
Endlich haben sie die Wohnung gefunden, die beiden zusagt. An einem Wochenende ziehen sie ein. Wochen zuvor überlegen sie schon, wessen Möbel wohin passen. Gar nicht so einfach, wenn jedes schon eine eigene Einrichtung hatte. Meinungsverschiedenheiten, Spannungen bleiben nicht aus. „Sollen wir etwa dies alte Ding von deiner Großmutter auch noch mit in unsere neue Wohnung nehmen?“ stöhnt Daniel. Erst will Cornelia verschnupft reagieren, dann jedoch beschließt sie, einfach ihren dringenden Wunsch zu äußern und nicht mit Daniel zu streiten. Sie lieben sich doch. „Eigentlich sollte er mir zuliebe dies „alte Ding“ tolerieren,“ denkt Cornelia. „Eigentlich sollte sie mir zuliebe auf dies alte Ding verzichten,“ denkt er.
Zwischenkommentar: Ach, wie schön wäre das, wenn der Partner oder die Partnerin unsere Wünsche spüren könnte! Und natürlich erfüllen! So wie früher Mutter, als wir Säugling waren. Aus der Traum. Jetzt muss geredet werden.
Ein Jahr später: Die beiden haben sich ein gemütliches und dabei eigenwilliges Nest geschaffen. Natürlich gibt es immer mal wieder Spannungen. Das ist normal. Ihre jeweiligen Wünsche können sie äußern, ohne vom anderen zu erwarten, dass sie oder er sie errät.
„Ich möchte ein Kind mit dir,“ sagt Cornelia eines Abends als sie sich wieder mal so richtig gut im Bett verstanden haben. „Was, jetzt schon?“ Daniel ist richtig erschrocken. „Ja, du hast doch auch immer gesagt, dass du Kinder haben möchtest.“ „Hm ja, natürlich, aber meinst du nicht, es ist etwas zu früh? Beruflich haben wir beide doch noch einiges vor. Außerdem wollen wir Reisen machen, Indien zum Beispiel. Geht mit Baby nicht. Lass uns noch warten.“ Leichte Panik ist in Daniels Stimme zu spüren. Cornelia schmollt, gibt aber nicht auf. „Noch können wir unserem Kind junge Eltern sein. Stell dir doch mal vor, so ein kleines Wesen, das aus uns beiden entstanden ist. Einfach wunderbar!“ schwärmt sie. „Meine Eltern würden sich auch über ein Enkelkind freuen. Deine bestimmt auch.“„Zur Verstärkung ziehst du jetzt auch noch deine Eltern hinzu. Und wen sonst noch etwa?“ Daniels Ton wird ziemlich laut.
Die Diskussion zieht sich über einige Monate hin. Cornelia wird immer stiller. Daniel macht erstaunlich viel Überstunden. Es knirscht in der Beziehung. Dann schließlich einigen sie sich darauf, es einfach drauf ankommen zu lassen. Keine Verhütung mehr. Sie wollen es dem Schicksal (oder wem auch immer) überlassen. Cornelia ist überglücklich. Daniel verhalten skeptisch. Nun, ihre Typ-Unterschiede kennen sie bereits seit längerem. Cornelia träumt schon von dem „freudigen Ereignis“. Vielleicht hat Daniel eher Albträume? Seine Bedenken behält er jedoch für sich. Wie so vieles, was ihn innerlich beschäftigt.
Kommentar: Unser Paar ist im Alltag angekommen. Wo sind eigentlich die Schmetterlinge geblieben? Sie sind noch da, aber hin und wieder weichen sie der Ernüchterung. Das ist normal und sogar wichtig. Schmetterlinge sind ein windiges Völkchen, mal hier mal da. Am liebsten bei Sonnenschein unterwegs. Beständigkeit gehört nicht zu ihren Qualitäten. Aber schön sind sie! Anfängliche Konflikte im gemeinsamen Leben haben Cornelia und Daniel gut miteinander gemeistert. Beiderseitiges Wohlwollen hat geholfen. Klappt natürlich nicht immer. Manchmal ist die Wut aufeinander zu heftig. Auch Zweifel: Ist sie wirklich die Richtige? Ist er wirklich der Richtige? Oft sind es Kleinigkeiten, die sich störend bemerkbar machen. Aber wie heißt es im Volksmund: „Kleinvieh macht auch Mist.“Und dann kommen die Eltern mit ins Spiel. Cornelia benutzt sie als Verstärkung, um ihren Wunsch nach einem Kind zu bekräftigen. Meine Familie, deine Familie. Schon wieder fällt mir der (weise) Volksmund ein, wo es heißt: „Man heiratet die Familie mit.“ Stimmt! Selbst wenn die Eltern nicht mehr leben, innerlich sind sie immer vorhanden und wollen ein Wörtchen mitreden. Mal hilfreich, mal störend.Mal schauen, wie das demnächst wird mit dem „freudigen Ereignis“.
(Text: Doris Henninger, Bild: privat, www.istockphoto.de)