Musik
Windsbacher Knabenchor
Und Julians Augen leuchten
Ob die Klangfänger irgendwann mal ebenfalls im Windsbacher Knabenchor singen? Die Männerstimmen hören auf jeden Fall schon mal aufmerksam zu.

Bevor der Diamant jedoch zum Schmuckstein wird, ist er nicht mehr als ein kristallines Mineral, das eben noch bearbeitet werden muss. So könnte man auch die „Klangfänger“ beschreiben, die sich jeden Mittwoch in St. Jakob treffen: Jungs, vom Vorschulalter bis zur vierten Klasse, die in Kleingruppen etwas ganz Tolles lernen: Singen.

Es war der Barockkomponist Georg Philipp Telemann, der sagte: „Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen. Also präge man das Singen jungen Leuten fleißig ein.“ Und genau darum geht es: Die Nürnberger Klangfänger – weitere Gruppen existieren in Pappenheim, Rothenburg und Windsbach – merken, was für einen Spaß es macht, gemeinsam zu singen. Statt Bachmotetten wie die Windsbacher lernen sie natürlich sehr viel leichtere Lieder. „Die Jungs sollen hier ihre Stimme finden“, erklärt Kirchenmusikerin Ulrike Walch, die gemeinsam mit Stimmbildnerin Silke Schrape in St. Jakob die Nürnberger Klangfänger anleitet.

Beide sind dabei für den Windsbacher Knabenchor tätig und haben eine wichtige Aufgabe: Sie sollen ein Ohr darauf haben, ob unter den jungen Klangfängern der eine oder andere ist, der vielleicht das Zeug dazu hat, selbst mal ein Windsbacher zu werden. Seit Beginn der Klangfänger vor fünf Jahren hat das schon öfters geklappt. Hier wird also wichtige Nachwuchsarbeit geleistet, denn in Familien und Schulen wird immer weniger gesungen. Und auch, wenn nicht jeder Klangfänger den Sprung in den Knabenchor schafft (oder überhaupt schaffen will): Er bekommt viel mit. Und er singt!

Xaver hat die Eignungsprüfung in Windsbach bereits bestanden. Gemeinsam mit Elias erzählt er, wie toll es ist, bei den Klangfängern mitzumachen: „Singen macht froh – und wenn ich mal sauer bin und dann mit den anderen Musik mache, dann denke ich da gar nicht mehr dran.“ Clemens will ebenfalls irgendwann in Windsbach vorsingen. Bei den Klangfängern hat er nette Jungs kennengelernt, die wie er Spaß am gemeinsamen Singen haben, und ist begeistert dabei.

Das geht natürlich nur mit einer gewissen Disziplin, weiß Ulrike Walch, die die gar nicht mal so leichte Aufgabe meistert, diese Rasselbande einerseits zu zähmen, andererseits aber den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen, wobei sie allerdings lieber von Freude spricht. Die haben Clemens, Elias, Xaver und die anderen auf jeden Fall, als sie die Lieder für ein Singspiel um den Hirtenjungen David lernen, das sie später im Gottesdienst in St. Jakob
oder während des Tags der offenen Tür in Windsbach (dann zusammen mit den anderen Klangfänger-Gruppen) aufführen werden. Dabei zeigt Walch den Jungs auch, wie man richtig Vokale formt und Konsonanten aus- oder abspricht. Sogar Grundlagen der Musiktheorie wie Notenwerte, Takt- und Pausenzeichen oder Intervalle werden den älteren Jungs vermittelt.

Während die Gruppe zusammen singt, bekommen einzelne Klangfänger einen Stock tiefer Einzelstimmbildung: leichte Vokalübungen und Töne nachsingen. Und ganz spannend ist es, wie ruhig und konzentriert Roman dabei ist und sich sogar von herumlaufenden Kirchenbesuchern gar nicht stören lässt. „Sü-sü-sü“ singt auch Julian und verzieht das Gesicht, weil er nicht jeden Ton trifft. Silke Schrape achtet eher darauf, dass Julians Mund- und Bauchmuskeln entspannt sind. So klingt das „Sü-sü-sü“ aus Julians Mund plötzlich ganz toll – und seine Augen leuchten!

Text: Jan Geert Wolff
Fotos: Ott und Susanne Auhl

 

 

INFO

Musikalische Jungen im Grundschulalter sind eingeladen, sich bei den Klangfängern des Windsbacher Knabenchors anzumelden. Informationen über die verschiedenen Gruppen gibt es unter

www.windsbacher-knabenchor.de

Über den Autor

Jan-Geert Wolff arbeitet bundesweit als Kulturjournalist und war selbst früher Mitglied des Windsbacher Knabenchors.

Auch heute noch singt er im Chor.