Innenstadt
Herbstsammlung der Diakonie
Wegschauen schützt nicht vor Schlägen

Wie ist das möglich? Etwa jede vierte Frau in Deutschland ist schon einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Partner geworden – mindestens einmal in ihrem Leben. Diese Zahl nennt das Diakonische Werk Bayern und hat das Thema deshalb zum Motiv für die Herbstsammlung im Oktober gemacht.

Pfarrerin Barbara Hauck leitet die Beratungsstelle „Offene Tür“ an St. Jakob. Aus ihren Gesprächen weiß sie, dass es viele Formen von häuslicher Gewalt und Drohungen gegenüber Frauen gibt. Häufig seien es die Partner, aber auch erwachsene Söhne. Frauen berichteten auch von Gewalt am Arbeitsplatz und von Beschimpfungen und Bedrohungen in den sozialen Medien. Aktuelle Umfragen hätten gezeigt: „Gewalterfahrungen werden durch den Druck, die Angst und die Enge der Corona-Situation noch verschärft“, erklärt die Theologin.

Drohungen, Streit, Handgreiflichkeiten

„Gewalt gegen Frauen findet sich in allen Schichten wieder“, teilt die bayerische Diakonie mit. Betroffen seien auch ältere Frauen und Frauen mit Behinderung. Ein besonderes Problem stellten die Kinder dar, wenn sie häusliche Gewalt erleben, auch wenn sie nicht selbst davon betroffen sind. „Sie leben in einer Atmosphäre der Angst“, heißt es in einer Mitteilung der Diakonie. „Ihr Alltag ist geprägt von Drohungen, Streit, manchmal sogar Handgreiflichkeiten.“ Das hinterlasse bei den Kindern Spuren, auch in ihrer Entwicklung.

Barbara Hauck hält es für notwendig, „kritischer mit den traditionellen Rollenbildern und deren Konsequenzen umzugehen.“ Im alltäglichen Leben müsse mehr Interesse füreinander gezeigt werden, anstatt bei Gewalt gegen Frauen wegzuschauen. Und: „Reden ist wichtig, für Frauen und Männer.“

Text: Paul Schremser
Artikelfoto: Diakonisches Werk Bayern

INFO

Pfarrerin Barbara Hauck predigt zur Eröffnung der Herbstsammlung der Diakonie am Sonntag, 11. Oktober um 8.30 und um 10 Uhr in St. Sebald. Dieser Gottesdienst wird auch am 18. Oktober um 10 Uhr im Franken Fernsehen ausgestrahlt.

Das Team der „Offenen Tür – Cityseelsorge an St. Jakob“ ist für Terminvereinbarungen und telefonische Beratung unter 0911 209702 erreichbar. Auch ohne Voranmeldung sind persönliche Gespräche in der Jakobskirche von Montag bis Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr, am Mittwoch bis 19 Uhr möglich. Weitere Informationen finden Sie  unter jakobskirche-nuernberg.de/offene-tuer

Die Diakonie in Bayern bietet betroffenen Frauen landesweit Hilfe an, dies in Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen.

Finanzielle Unterstützungen durch eine Spendenüberweisung sind erbeten auf die Konten der Kirchengemeinden unter dem  Stichwort „Herbstsammlung Diakonie 2020“.