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Der Weinmarkt: Ein bewundertes Provisorium
Sommer am Weinmarkt.

Wenn man heute auf einer der Holzplattformen sitzt und über den Weinmarkt blickt – den radfahrübenden Kindern oder den Vätern, die mit ihren Kindern den Ball kicken, zusieht – dann kann man sich nicht mehr vorstellen, dass er bis 2020 das triste Schicksal vieler anderer Plätze in der Stadt teilte, weil er autogerecht ausgebaut war.

Lange vor Gründung des Bürgervereins gab es Kritik an der Situation am Weinmarkt. Bereits 2007 wurde gefordert, den Weinmarkt umzugestalten. Denn mit dem Wiederaufbau des historischen Badehauses hatte er auch wieder einen neuen Hingucker bekommen.

Der „Bürgerverein Altstadt“ zeigte 2016 und 2018 mit den Weinmarktfesten, welchen Charme ein verkehrsfreier Weinmarkt entfalten kann. Die Feste verliehen der Diskussion einen ziemlichen Schub, denn Gastronomie, Einzelhandel, Anwohner und Besucher entdeckten und erlebten den Platz als Raum, der ohne störende Autos ganz neue Möglichkeiten bot. Allerdings war die Skepsis, ob dieses Konzept gegen eine immer noch starke „Wir wollen überall fahren und parken“-Lobby durchsetzbar wäre, doch recht groß. Mit dem Stadtratsbeschluss „Umstellung der Parkraumbewirtschaftung und Aufwertung von Straßen und Plätzen in der Altstadt“ gab es dann einen weiteren Schub in der Diskussion um den Weinmarkt, weil die Plätze nach und nach umgestaltet werden sollten.

In drei Planungswerkstätten zur Umgestaltung des Weinmarkts zwischen November 2018 und Juli 2019 wurden die Ideen und Vorschläge von Anwohnern und ansässigen Gewerbetreibenden gesammelt. Auch das Für und Wider wurde intensiv erörtert. Seit 2020 ist der Weinmarkt autofrei und erfreut sich großer Beliebtheit. Kinder spielen, man sitzt in der Mittagspause mit Kollegen in der Sonne oder ruht sich einfach draußen aus. Abends geht man vielleicht noch etwas essen und trinken und genießt einen mediterranen Flair. Nach zwei Jahren sollte eigentlich eine Auswertung Probephase stattfinden. Aber wie es manchmal so in Nürnberg ist: Der Weinmarkt ist noch ein bewundertes Provisorium.

Text: Elisabeth Most, Vorsitzende Bürgerverein Nürnberg-Altstadt
Foto: Klaus Wazansky